Konzentration und mentale Einstellung in der Hundeerziehung

Hundehalter müssen während der Erziehung ihres Hundes zu 100 % präsent sein – nicht am Handy!

Wenn ich mich auf einen Hund konzentriere und verlange, dass er ausführt, was ich sage, dann macht er das auch! Wenn ich konzentriert mit ihm arbeite, dann bemerke ich rechtzeitig, wann ich eine Hilfestellung geben muss – und nicht erst, wenn die Verbindung längst abgerissen ist. Eine Hilfestellung besteht meistens aus einem „Tun“, selten aus Worten.

Worauf es nach Hans Schlegel ankommt

Die Verbindung zwischen Mensch und Hund ist das unsichtbare innere Band, das beide zusammenarbeiten lässt – und nicht etwa die Leine. Sie soll ausschließlich als Sicherheitshilfsmittel betrachtet werden und nicht als „Verhinderungshilfsmittel“ dienen, weil der Hundehalter Angst hat, dass etwas passieren könnte! Es fällt offensichtlich vielen Menschen schwer, sich den Unterschied bewusst zu machen und sich von der Leine zu befreien. Das freie Lenken des Hundes muss aber zu einer Selbstverständlichkeit werden, denn nur ein freier Hund lernt seine Lektionen. Es braucht zu Beginn etwas Mut, so zu denken!

Sicherheit vermitteln

Oft genug habe ich es erlebt, dass Hunde sich von ihren Haltern noch nicht einmal mehr an der Leine führen ließen, während sie bei mir das Gehen ohne Leine einwandfrei ausführten, wie sie es noch ein paar Stunden zuvor am selben Ort gelernt hatten. Ich habe viel Zeit und Mühe in Ausbildungsstunden darauf verwendet, Hundehaltern zu erklären, dass die Leine Sicherheit vermitteln soll – nicht mehr und nicht weniger. Voraussetzung dafür ist ein konzentriertes Spazierengehen, das Hundehaltern mitunter sehr schwer fällt, weil die Konzentration, die aufgewendet werden muss, jedenfalls in den ersten drei Wochen keine Gesprächsrunden zulässt. Viele Halter sind derart unsicher, dass sie ihrem Hund die Richtung tatsächlich nicht zu zeigen vermögen. Sie müssen so lange gestärkt und gefördert werden, bis sie die Forderungen eigenständig ausführen können. Andere Hundehalter sehen sich die ganzen Abläufe genau an, hören aufmerksam meinen Erklärungen zu – und tun anschließend so, als ob ich Chinesisch geredet hätte. Wenn ich das feststelle, wiederhole ich das Gesagte noch einmal, nun aufgeteilt in ganz kleine Zwischenziele, bis der Halter die Instruktionen stressfrei bewältigen kann. Ich manipuliere in solchen Momenten nie am Hund, denn der Mensch soll verstehen dürfen, was, warum und wie er ein Teilziel erreicht.

Wollen, nicht versuchen

Ich demonstriere oft, dass auch bei mir kein Hund reagiert, wenn ich ihn nur so nebenbei „abhake“, und dass er sofort wieder „voll da“ ist, wenn ich es selbst auch bin. Hundehalter können diese Zusammenhänge am Anfang oftmals nicht verinnerlichen, weil sie zu sehr auf ihren Hund fixiert sind. Ich unterstreiche hier immer wieder, dass die Worte: „Ich probiere es“ ersetzt werden sollten durch die Worte: „Ich will es“. Schwierig wird es bei temperamentlosen Menschen, die ohne die natürliche und unbedingt erforderliche innere Anteilnahme mit ihren Hunden umgehen – sie werden, wenn überhaupt, nur selten etwas mit ihnen erreichen. Wer eine solche Theoretikermentalität auslebt und jede Kleinigkeit erst zehnmal hin und her überlegt, bevor er überhaupt etwas tut, der wird bei seinem Hund nichts als Desinteresse und Langeweile auslösen, ihn aber ganz sicher nicht mitreißen können. Ein gelegentlicher spontaner Fehler ist mit Sicherheit weniger schlimm als ein ständiges Fehlen jeglicher unbefangener Impulsivität! Probleme sollten nicht konstruiert werden, wo eigentlich alles ganz simpel ist.

Nur Tun macht wirklich erfolgreich

Man kann mit einem Hund nicht rein rational argumentieren, mit einem Hund muss man ganz naiv „einfach leben“. Wichtig ist dabei die Einsicht, dass Fehler nichts Schlimmes sind. Wer ständig Bedenken hat, dass er etwas nicht kann, und permanent Angst vor Fehlern hat, der wird mit Sicherheit nichts erreichen. Jeder, der etwas tut, macht auch einmal einen Fehler. Das ist nicht weiter schlimm. Schlimm dagegen und der allergrößte Fehler überhaupt ist, nichts zu tun und nur ängstlich auf Fehlervermeidung bedacht zu sein.

Das Ziel und nicht den Misserfolg vor Augen haben

Jeder Hund ist anders. Entsprechend verläuft auch jede Erziehung eines Hundes anders. Das Gefühl für das richtige Maß und ständig angepasste Reaktionen und Einwirkungen sind die Basis. Zudem kommt es darauf an, sich erreichbare Ziele zu stecken. Nur der Weg der kleinen Schritte führt zum Erfolg. Es ist ein schönes Gefühl, festzustellen, bei der Kommunikation mit einem anderen Lebewesen tatsächlich einen Weg des gegenseitigen Verständnisses gefunden zu haben!

Dabei ist völlig unerheblich, was andere Leute denken. Der Allgemeinheit der ratlosen Hundehalter sei gesagt: Falsche Scham vor den Umstehenden und die Erfahrung eines bereits gemachten Misserfolgs sollten nicht zu Blockaden führen. Wichtig sind einzig und allein der Mensch und sein Hund, der Rest ist uninteressant.

Sich für Ziele mit dem Hund begeistern

Übungen, die jetzt nicht gelingen wollen, sollten überdacht werden. Vielleicht lassen sie sich so unterteilen, dass Zwischenziele erreicht werden können. Solche gedanklichen Auseinandersetzungen steigern die Begeisterung im Umgang mit dem Hund erheblich. Begeisterung ist genau das, was jeder Halter braucht, um seinen Hund in seinen Bann zu ziehen! Plötzlich reagiert der Hund ganz von selbst viel, viel besser als vorher, als sein Halter noch Unsicherheit und Zögern ausgestrahlt hat. Zum Erfolg bei der Beschäftigung mit einem Hund gehört auch gute Laune – Verbissenheit ist fehl am Platz.

Koordination der inneren Einstellung

Jeder Hundehalter sollte sich zuerst selbst fragen, ob er genau weiß, was er will. Wenn sein Vorhaben ein gutes Gefühl in ihm auslöst, dann ist er in der Lage, dieses auch seinem Hund zu vermitteln. Erfolg tritt stets augenblicklich ein, wenn Zielklarheit vorhanden ist und die richtige Ursache gesetzt wird.
Auf Spaziergängen besteht täglich die Möglichkeit, seine Beharrlichkeit als „Leader“ unter Beweis zu stellen.
Mitunter sollte wieder ganz von vorne angefangen werden. Ein erster Schritt ist das Verstehen der sechs Schlüssel zum Erfolg. Die sieben Kommunikationsspiele helfen, die Mensch-Hund-Beziehung zu harmonisieren.

Ein harmonisches Miteinander braucht Zeit, dessen sollte sich jeder Hundehalter bewusst sein. Es ist nicht möglich, innerhalb von Stunden eine Ausbildung zu machen oder eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut! Es braucht drei Wochen, in denen konzentriert gearbeitet wird, und zwar jeden Tag. Selbst wenn ein Hund einen Fehler über ein Jahr machen durfte, dauert das Umlernen bis zur Zuverlässigkeit auch nur diese drei Wochen. Dabei ist wichtig, Fortschritte kritisch zu prüfen – und in jeder Hinsicht bescheiden zu bleiben.

Sobald Lernkontrollen ergeben, dass sich Fehler eingeschlichen haben, sind Optimierungen sofort vorzunehmen.

Der Hund muss seinem Weltbild entsprechend alles nachvollziehen können, denn er vertraut seinem Menschen und glaubt immer, dass dieser richtig handelt. Wenn sich der Halter seinem Ziel genähert hat, ist es für seinen Hund einfach geworden, ihm zu folgen und schwierige Aufgaben zu lösen.

Intuition

Als Intuition oder 7. Sinn wird die Fähigkeit bezeichnet, etwas gefühlsmäßig zu wissen, was logisch nicht erklärbar ist. Intuition lässt sich mit dem Instinkt vergleichen, den Tiere im Gegensatz zu Menschen noch ausgeprägt haben.
Obwohl Menschen häufig mit ihrer inneren Stimme konfrontiert werden, die sich durch ein Kribbeln in der Magengegend bemerkbar macht, wird die Intuition unterschätzt. Sie ermöglicht, „aus dem Bauch heraus“ richtige Entscheidungen zu treffen, und warnt vor Gefahren, indem etwas emotional „Bauchweh“ verursacht. Oft erkennen Menschen intuitiv die wahren Eigenschaften einer Person oder den Kern einer Sache, handeln dann aber leider nicht dieser Erkenntnis entsprechend. Das Ergebnis sind typische Aha-Erlebnissen wie: „Ich hab‘s doch gleich gewusst“ oder „Ich hatte von Anfang an ein komisches Gefühl im Bauch.“ In diesen Kontext gehört auch das Phänomen, dass sich jemand, der von einer Person aus einem unübersichtlichen Blickwinkel heraus eine Zeit lang angesehen wird, plötzlich direkt zu dieser umdreht, als ob sie ihn gerufen hätte.
Frauen nehmen intuitive Gefühle stärker wahr als Männer und gehorchen ihrer inneren Stimme mehr. Sie haben Männern sogar die Fähigkeit voraus, ihre intuitiven Energien besser mit dem logischen Denkvermögen verbinden zu können.

Angenehm und unangenehm

Die oberste Motivation für jeden Hund ist: angenehm soll es sein. Wenn der Halter lernt, eine Situation im richtigen Moment angenehm (beziehungsweise unangenehm) für seinen Hund zu machen, dann werden die erwünschten Dinge leicht und die unerwünschten schwierig werden.
Das Timing ist das A und O! Je eher der Halter seinen Hund spüren lassen kann, dass er alles richtig macht, und ihn fühlen lassen kann, wenn er sich für etwas Unerwünschtes  entschieden hat, desto schneller lernt sein Hund. Dabei sollte der Halter stets weiterlächeln können, auch wenn er seinem Hund zu verstehen gibt, dass er etwas Unerwünschtes macht!

Hunde sind darauf programmiert, das Gegenteil von dem zu tun, was der kopflastige Mensch an ihnen ausprobieren will. Sie möchten sich als Partner darstellen und nicht als „mental  knopfdruckgesteuerte Raubtiere“. Deshalb ist es wichtig, dass sich Halter die nötige Zeit nehmen und sich vor allem die erforderliche innere Ruhe und Zielklarheit für die Ausbildung ihres Hundes verschaffen, um ihm beim Lernen erwünschten Verhaltens zu helfen.
Manchmal lernen Hunde durch den Prozess der negativen Auslese: Sie probieren so lange herum, bis einmal die richtige Lösung dabei ist. Halter sollten sich dann passiv verhalten, verlässlich in der richtigen Position bleiben und auf den kleinsten Ansatz zur richtigen Lösung achten.

Die vier Stufen der Bestimmtheit

Viele Hundehalter haben in der Ausbildung nur mäßigen Erfolg, weil sie ihre Versprechungen ihrem Hund gegenüber nicht einlösen können: Sie zeigen ihm nicht, dass sie es ernst meinen. Andere wiederum machen ihre Hunde verrückt oder hektisch, weil sie gleich mit Stufe zwei oder gar drei beginnen anstatt sanft mit Stufe eins. Es sollte in jedem Ausbildungsabschnitt stets sehr freundlich mit Stufe eins (entspricht hundert Gramm) begonnen werden. Verweigert der Hund sich, sollte sein Halter langsam und wohlwollend seine Bestimmtheitsgrade schrittweise von Stufe zwei bis Stufe vier steigern, das heißt jedes Mal hundert Gramm zulegen, bis der Hund mitmacht. Wenn er „dabei“ ist, wird er sofort mit einer herzlichen Zuwendung und Bewegung belohnt.

Jede Stufe sollte etwa drei Sekunden dauern. Wird schneller gearbeitet, hat der Hund zu wenig Zeit zum „Denken“. Sind die Abstände zu groß, bleibt der Hund länger beim unerwünschten Tun und kommt nicht zur „Entscheidung“, etwas zu ändern oder sich nach seinem Halter zu orientieren. Wenn diese vier Stufen der Bestimmtheit in jeder Situation beherrscht werden, lernt der Hund, leicht und weich und vor allem zuverlässig zu reagieren. Jetzt respektiert er seinen Halter und richtet sich nach ihm aus. Er hat verstanden, dass sein Mensch sehr freundlich sein möchte und auch ist, aber dennoch weiß, was zu tun ist, um das zu erreichen, was er möchte.

Jeder Hundehalter sollte stets daran denken, seinem inneren mentalen Rhythmus gerecht zu werden und darauf zu vertrauen, dass sein Hund positiv reagieren wird. Er sollte wachsam und darauf vorbereitet bleiben, sofort zu korrigieren, wenn sich ein Fehler einschleicht. Beständigkeit ist ein guter Lehrer!

Der Schwungradeffekt

Jede erfolgreiche Ausbildung braucht auch ihre „Niederlagen“, um voranzukommen. Wichtig ist, mit einer Niederlage richtig umzugehen und nicht am Boden liegen zu bleiben, sondern zu erkennen, dass es sich bei ihr nur um ein Zwischenergebnis handelt. Sobald sich ein Rückfall anbahnt, sollten sich Hundehalter sofort positive Gedanken machen, wie sie die Situation lösen und die Talfahrt bewusst und optimal ausnutzen können, um dann mit möglichst viel Schwung wieder nach oben zu gelangen. Je besser sie mit schwierigen Situationen gezielt umgehen und sich jeder Herausforderung stellen können, desto stabiler wird die Ausbildungsstruktur.

Die „Hund-blind-spüren“ Übung

Diese Übung eignet sich besonders gut, um die Kommunikation zwischen Mensch und Tier zu verinnerlichen. Sie fördert die Intuition des Hundehalters und seinen Glauben an sich selbst.

Ablauf:
1.    Der Hundehalter übergibt seinen Hund einer Begleitperson, die mit ihm fünf Minuten spazieren geht, während er sich mental auf die Übung vorbereitet.
2.    Er konzentriert sich auf seinen Hund und erstellt ein innerliches Bild von ihm. Dabei schließt er seine Augen.
3.    Er sendet Ruhe aus und wiederholt leise für sich die Worte: „Ich will dir gut“ – etwa zweiunddreißig Mal.
4.    Dann deckt er seine Augen mit einer Augenbinde zu, wartet, sendet wiederum Ruhe aus und imaginiert das Bild, macht es vor seinem geistigen Auge lebendig.
5.    Er schließt seine Ohren mit Geräuschdämmern und sendet abermals Ruhe aus.
6.    Zwischenzeitlich ist die Begleitperson mit seinem Hund zurückgekommen und hat sich in seine Nähe begeben. Die Distanz sollte am Anfang fünfzig Meter nicht übersteigen; später kann sie jederzeit beliebig vergrößert werden.
7.    Er nimmt seine rechte Hand, spreizt die Finger und beginnt, seinen Hund zu suchen.
Dabei ist es wichtig, dass er die Energien fließen lässt und jede einzelne tief in sich spürt.
8.    Er atmet langsam und ruhig ein und aus.
9.    Sobald er seinen Hund gefunden hat, hebt er die linke Hand hoch und zeigt mit der suchenden Hand deutlich in die Richtung, wo sich sein Hund befindet.
10.    Er öffnet langsam seine Augen und ist stolz auf sich.
11.    Voller Dankbarkeit und ruhig geht er schließlich zu seinem Hund. Bei dem nun folgenden etwa fünfzehnminütigen Spaziergang nimmt er seine Zufriedenheit und innere Ruhe bewusst wahr.
12.    Er genießt die Ruhe und freut sich über seinen Erfolg!

Herzlichst, Hans Schlegel

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